Die Staatsbahn
Swakopmund - Windhuk
Staatsbahn Einleitung
An der Atlantikküste im südlichen Afrika liegt das 1990 gegründete Namibia. Einst in der Geschichte, zwischen 1884 und 1915,
war dieses Land als Schutzgebiet dem Deutschen Kaiserreich unterstellt, als Kolonie Deutsch Südwestafrika.

Die Verbindung von der Kolonie zum Mutterland wurde über den Seeweg mit Dampfschiffen aufrecht erhalten.
Den Weitertransport der angelandeten Güter von der Küste zu den Siedlern ins Inland und zurück besorgten von Ochsen gezogene Gespanne.
Aufgrund von Transportproblemen - eine Fuhre konnte Wochen dauern oder es waren nicht genügend Zugtiere verfügbar, und zuletzt der Ausbruch
der Rinderpest 1897 brachte den Ochsenkarrenverkehr vollständig zum Erliegen - wurde der Bau einer Eisenbahn beschlossen.
Postkarte: Sammlung M.Wollmann.

Genehmigt wurde leichtes Heeresfeldbahnmaterial aus den Beständen des Militärs in Deutschland. So entstand ab 1897 von der Küstenstadt
Swakopmund ausgehend eine Eisenbahnlinie in 600 mm Spurweite, die über Jakalswater, Karibib und Okahandja bis nach Windhoek führte.
Postkarte: Sammlung M.Wollmann.

Die Gesamtlänge betrug stattliche 382 Kilometer. Die Linienführung wurde infolge der Eile während der Bauphasen entschieden, das Land war
damals kaum oder ungenügend kartographiert.
Postkarte: Sammlung M.Wollmann.

Postkarte: Sammlung M.Wollmann.

1902 war, nach 5 Jahren Bauzeit, die 382 Kilometer lange Strecke nach Windhoek fertig.
Postkarte, Teil einer Panoramakarte: Sammlung M.Wollmann.

Zug in der Wildnis. (Uiams). - Zwischen Brakwater und Windhoek liegt Ujams. Ein Staatsbahnzug mit Zwillingslok und Wasserwagen.
Postkarte: Sammlung M.Wollmann.

Postkarte: Sammlung M.Wollmann.
Mit der durch die OMEG privat errichteten Otavibahn zum Erztransport entstand ab 1903 eine zweite Eisenbahnlinie ab Swakopmund. Diese führte
auf komplett eigener Trasse von Swakopmund Otavibahnhof, und wie die Staatsbahn durch die Namib-Wüste, gen Osten über Usakos nach Tsumeb
und hatte eine beeindruckende Gesamtlänge von 567 Kilometern. Da ein schwererer Oberbau als bei der Staatsbahn gewählt wurde, zudem die
Trassenführung unkomplizierter war, nutze ab etwa 1905, nachdem eine Verbindung von Onguati(Otavibahn) nach Karibib(Staatsbahn) geschaffen
wurde, die Staatsbahn für ihre Transporte nach Windhoek die Gleise der Otavibahn bis Karibib. 1910 kaufte der Staat die Otavibahn. Mit der nun
leistungsfähigeren Streckenführung der Otavibahn konnte man ab 1910 auf den Unteren Streckenabschnitt der Staatsbahn über Jakalswater verzichten.
Vereinzelt fuhren danach noch Züge, letztmalig nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Ab 1910 wurde der Abschnitt Karibib-Windhoek, die anderen
in der Kolonie mittlerweile entstandenen Eisenbahnlinien wurden in Kapspur gebaut, auf 1067mm umgespurt. Dabei nutzte man, und das bis heute,
größtenteils den vorhandenen Streckenverlauf.
Somit wird der Obere Staatsbahnabschnitt Karibib - Windhoek nicht näher betrachtet.

Plan der Eisenbahn Swakopmund - Tsumeb mit Angabe der Regierungsbahn Swakopmund - Windhuk, 1906, 1:2.000.000.
rot: Staatsbahn Swakopmund - Karibib (Unterer Abschnitt) - stillgelegt
grün: Staatbahn Karibib - Windhoek (Oberer Abschnitt) - umgespurt 1067mm, in Betrieb
schwarz: Otavibahn Swakopmund - Usakos - Tsumeb - umgespurt 1067mm, in Betrieb
gelb: Verbindungsbahn Onguati(Otavibahn) - Karibib(Staatsbahn) - stillgelegt
Landkarte: Sammlung Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz, Kartenabteilung.

Die auf diesen Seiten verwendete Kilometrierung wurde dem "Fahrplan der Kaiserlichen Militär Eisenbahn Swakopmund - Windhuk" entnommen.
Fahrplan: Sammlung Sam Cohen Bibliothek, Swakopmund.
Dies ist dann auch ein etwas unüblicherer Streckenbesuch einer stillgelegten Schmalspurbahn, verglichen mit den auf diesen Internetseiten bislang erfolgten
Veröffentlichungen, stellt doch die vor etwa 100 Jahren aufgegebene Teilstrecke Swakopmund - Karibib neben einigen anderen viele kartographische Fragen
in den Raum. Es gibt weiterhin unbesuchte Stationen und Abschnitte. Da sich große Teile der Strecke auf heute Naturpark-, privatem Farm- oder
Minengelände befinden, sind immer Anmeldungen bzw. Genehmigungen vor einem Besuch vonnöten!
Eröffnet wird die Reise natürlich in Swakopmund. Bevor es zum ehemaligen Staatsbahnhof und auf die Strecke geht, werden die Mole und die Pier
besucht, hier landeten alle zu transportierenden Güter an, gefolgt von einigen Stadtansichten. Chronologisch geht es dann, soweit schon besucht,
entlang des Unteren Streckenabschnitts der Staatsbahn bis nach Karibib.
Eine geographische Übersicht findet sich auf der Staatsbahn Karte (öffnet sich in einem neuen Tab).

Es erschienen über die Jahre doch einige sehr interessante und weiterführende Bücher zur Staatsbahn und den anderen Eisenbahnen in Deutsch Südwest Afrika.
Diese Literatur ist unbedingt lohnenswert, jedoch nur noch antiquarisch erhältlich.





1904 war das Jahr des Hereroaufstandes in Deutsch Südwest. Eine Rolle spielte die Staatsbahn für die Nachschubtransporte. In der Sam Cohen
Bibliothek zu Swakopmund liegt dieses handschriftliche Dokument von Walter Paschasius, Betriebsleiter bei der Eisenbahn Swakopmund-Windhuk
zu jener Zeit, zur Betrachtung aus. Es schildert aus Augenzeugensicht, hochspannend, die Geschehnisse eines Versorgungszuges aus Swakopmund
zur Unterstützung der deutschen Schutztruppe und Siedler in Richtung Windhoek.
"Die Schmalspurbahn Swakopmund - Windhuk. D.S.W.A.": Sammlung Sam Cohen Bibliothek, Swakopmund.
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